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Kultusminister Grant Hendrik Tonne mit Gerrit Terfehr sowie Kammerpräsident Reiner Möhle und Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt.
Terfehr

Terfehr für Ausbildung geehrt

Kultusminister Tonne zeichnet Rheder Bauunternhemen für vorbildliche Ausbildung aus.

Mit der Auszeichnung, die zum dritten Mal vom Kultusministerium vergeben wird, wirbt das Land für die Vorzüge der dualen Berufsausbildung. Diese fliege trotz hoher Qualität und internationaler Anerkennung im eigenen Land „leider häufig unter dem Radar“, stellte Tonne fest. Mit der Auszeichnung solle deshalb ein deutliches Zeichen gesetzt und die grundsätzliche Bedeutung der Ausbildung in den Mittelpunkt gestellt werden. „Das ist ein Pfund, mit dem die Betriebe des Handwerks wuchern können“, betonte Tonne.

Die Kriterien für die Auszeichnung durch das Land setzen sich zusammen aus der Anzahl der Azubis in den vergangenen drei Jahren, der Kontinuität und dem Erfolg der Ausbildung, dem regionalen und sozialen Engagement, der Anzahl der besetzten Praktikumsplätze in den vergangenen drei Jahren und dem Einsatz für Azubis mit besonderem Förderbedarf. Hinter allen Kriterien und noch darüber hinaus „habe man bei Terfehr einen Haken machen können“, betonte Tonne. Unter anderem arbeite das Unternehmen mit den Schulen in der Umgebung zusammen und unterstütze regionale Strukturen wie Sportvereine, Flüchtlingsinitiativen und Kirchengemeinden. „Eine beeindruckende Liste. Das ist nicht selbstverständlich“, meinte der Minister.

Das Unternehmen des 1984 gegründeten Familienbetriebes mit derzeit rund 150 Mitarbeitern, darunter 23 Auszubildenden, habe eine Leuchtturmfunktion, erklärte demnach auch Reiner Möhle, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim: „Der Automatismus Abitur/Studium müsse unterbrochen werden, denn niemand muss sich für eine handwerkliche Ausbildung schämen“, betonte Möhle. „Früher hieß es: Handwerk hat goldenen Boden. Heute gibt es in der Bevölkerung dafür vielfach keine Wertschätzung mehr, vielleicht sogar eine Geringschätzung“. Das müsse sich wieder ändern, forderte Möhle, der das Unternehmen Terfehr zusammen mit Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt wegen des „Vorzeigecharakters“ aus 10.700 Mitgliedsbetrieben der Kammer für die Auszeichnung vorgeschlagen hatte.

Das Studium nach dem Abitur ist aus Sicht des Ministers keineswegs der Königsweg in ein erfolgreiches Berufsleben. Deshalb müsse das Erfolgsmodell duale Ausbildung „mit hoher Durchlässigkeit in alle Richtungen und hervorragenden Berufsaussichten“ viel stärker auch in den Köpfen von Eltern verankert werden, sagte Tonne, der sich bei den Mitarbeitern und dem Chef detailliert über die Ausbildungswege und -möglichkeiten intensiv informierte.

Gerrit Terfehr zeigte sich hocherfreut über die Wertschätzung für das Unternehmen, das nicht nur Maurer, Zimmerer und Bauzeichner, sondern auch Kaufleute für Büro- und Immobilienmanagement sowie Marketingkommunikation ausbildet. Es gebe aber auch Probleme. So beklagte Terfehr, dass einige Auszubildende nach erfolgreichem Lehrabschluss abgeworben würden – und zwar nicht von der Industrie, die häufig bessere Löhne zahle, sondern auch von Handwerksbetrieben, die nicht ausbildeten. „Das ist sehr ärgerlich“, sagte Terfehr. Sein Lösungsvorschlag: Als Lösungsvorschlag gab er den Landespolitikern mit auf den Weg, ausbildenden Betrieben Wettbewerbsvorteile zu verschaffen – beispielsweise bei öffentlichen Ausschreibungen. Zudem regte er eine Sozialabgabe für nicht ausbildende Betriebe als Ausgleich an.