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Broschüre Starke Frauen für ein starkes Handwerk

Starke Frauen für ein starkes Handwerk

Frauenbroschüre stellt zehn starke Frauen aus dem Handwerk vor.

Die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim stellte beim Jahrestreffen aller Handwerksfrauen im Kammerbezirk die neue Broschüre „Starke Frauen für ein starkes Handwerk“ vor. Passend dazu hielt Astrid Kruse, Professorin der Fachhochschule des Mittelstands, den Vortrag: „Frauen im Handwerk – Chancen und Potenziale erkennen“.

Kruse ging in ihrem Vortrag zunächst darauf ein, dass Sprache Bilder erzeugt, und wie sehr sich die „Bilder“ von Handwerkerinnen und Handwerkern heute noch unterscheiden. Eine Bildersuche bei Google zeigt dies: Während Männer auf Abbildungen meist pfiffig oder kompetent wirken, haben die zumeist „sexy Handwerkerinnen“ zwar Werkzeuge in der Hand, doch diese wirken eher wie ein Accessoire fürs Fotoshooting als wie ein tatsächlich genutztes Arbeitsmittel.

Nicht nur hinsichtlich der Darstellung, auch im Alltag fehlten Handwerkerinnen als Vorbilder, so Kruse. Nur 20 Prozent der Auszubildenden im Handwerk sind Frauen, nur 17 Prozent der Meister und nur 24 Prozent der Gründer im Handwerk sind Frauen, wusste Kruse und stellte dem Gegenüber: „Frauen sind begeisterte Handwerkerinnen.“ 37 Prozent hätten sich laut ihrer Umfrage für ihren Traumberuf entschieden. „22 Prozent der Handwerkerinnen haben sich für ihren Beruf entschieden, weil es Vorbilder in der Familie gab“, berichtete die Fachfrau.
Zwar sind 50 Prozent der Handwerkerinnen, die gründen, dem Klischee entsprechend Frisörinnen oder Kosmetikerinnen. Doch 20 Prozent der Gründerinnen, die eine Nachfolge antreten, tun dies meist in einem männerdominierten Beruf. Und in ihrem Grußwort hatte Marlies Mnich, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer, auf die Rolle der Frauen in Familienbetrieben hingewiesen: „Männer stehen oft als Betriebsinhaber im Vordergrund, doch die Frauen schmeißen im Hintergrund den Laden.“ Gemeinsam hatten Kruse und Mnich das Ziel, Frauen im Handwerk zu stärken.

Kruse hat 2009 ein Fotoprojekt ins Leben gerufen, um „echte Handwerkerinnen“ darzustellen. Daraus folgte eine Wanderausstellung, die 2012 in Osnabrück zu sehen war. Die Idee hinter der Ausstellung – Handwerkerinnen als Vorbild sichtbar machen – hat die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim nun aufgegriffen und eine Broschüre aufgelegt: Zehn Handwerkerinnen berichten darin als Vorbilder von ihren Erfahrungen und beschreiben, was ihnen an ihrem Beruf gefällt, und warum es sich lohnt, Handwerkerin zu sein.

Einige der Frauen, die in der der Broschüre vorgestellt werden, diskutierten nach deren Präsentation rege miteinander und dem Publikum: Es ging um Lebenswege, ihre Begeisterung für ihren Job, Nachwuchssorgen und Vorurteile. Stefanie Ludwig, die sich als Maßschneiderin auf den Bau von Maskottchen spezialisiert hat, ärgert sich, wenn Männer in Bezug auf ihre Arbeit sagen: „Meine Frau bastelt auch gerne.“ „Mein Ding ist die Konstruktion, und das, was ich mache, hat mit Basteln nichts zu tun“, so Ludwig. Über so manches Hilfsangebot ärgert sich Dachdeckermeisterin Jana Luzie Grüter-Weber. Sie arbeitet in der Firma ihres Vaters: „Wenn da die Gasflasche steht, und einer sagt, ‚gib mal her‘, sage ich, ich will erst selbst ausprobieren, sie zu tragen.“ Zweiradmechanikerin Mona Schwan von Fahrrad Schwan hingegen hat festgestellt: „Die Kunden helfen nicht nur mir beim Aufhängen der Räder an die Haken, sondern auch den männlichen Kollegen.“ Und Yvonne Kühne Inhaberin von „Tante Sophies Backstube“ berichtete verschmitzt: „Wir nutzen die Vorurteile: In der Backstube arbeiten nur Frauen, und die Männer verkaufen.“ Das laufe gut, denn die Kunden verbänden „Männer mit Kompetenz“.

Doch noch mehr als Vorurteile beschäftigte die Handwerkerinnen Nachwuchssorgen. Sie beklagten, dass theoretische Bildung wie ein Studium höher geachtet werden würde als eine Ausbildung und die Arbeit als Handwerker. Als potenzielle Neulinge im Handwerk machten die einen Studienabbrecher oder unzufriedene Mittdreißiger in akademischen Berufen aus, während die anderen Pflichtpraktika im Handwerk in den Schulen vorschlugen.

Claudia Sarrazin: „Status und Ausblick zum Thema Frauen im Handwerk“, NOZ, 11.06.2018

 

Downloads

Broschüre „Starke Frauen für ein starkes Handwerk“ – Osnabrück Stadt und Land

Broschüre „Starke Frauen für ein starkes Handwerk“ – Emsland und Grafschaft Bentheim