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Die Geschäftsleitung der Richert-Gruppe um Firmenchef Thomas Richert mit der Delegation der Handwerkskammer um Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt
Handwerkskammer

Richert Gruppe Ausrüster der Energiewende

Wallenhorster Fensterbauer hat volle Auftragsbücher, aber keinen Facharbeiternachwuchs. Probleme in der kommunalen Energieversorgung.

Die Daten belegen: Die Richert Gruppe agiert erfolgreich am Markt. 20 Mio. Umsatz, 100 Beschäftigte am Standort Wallenhorst und weitere rund 100 Mitarbeiter*innen im gesamten Bundesgebiet. Soweit so gut? Thomas Richert, geschäftsführender Gesellschafter, relativiert: „Wir haben exzellente Zukunftsperspektiven, aber unsere Belegschaft überaltert.“ Das Problem: Die Ausbildungsmöglichkeiten für die Fensterproduktion aus Kunststoff sind begrenzt, obwohl fast 60 % der Fenster aus diesem Werkstoff hergestellt werden. Dabei sind die Ausbildungsaktivitäten der Richert Gruppe in den Bereichen Industriekaufleute, Maschinen- und Anlagenführer sowie Informatikkaufleute vielfältig. Carsten Otte, Geschäftsleitung Projektgeschäft, bringt es auf den Punkt: „Der deutsche Monteur stirbt aus!“ Dabei seien gerade diese Mitarbeiter die Visitenkarte des Unternehmens vor Ort in ganz Deutschland. „Unsere Monteure repräsentieren die Kompetenz der Richert-Gruppe vor Ort mit fachlichem Knowhow, entsprechenden Umgangsformen und der nötigen Portion Diplomatie, wenn es mal hakt“, erklärt Otte weiter. Schließlich kommen die Richert-Monteure in die Wohnungen und Häuser, deren Besitzer oder Mieter sich für den Fensteraustausch extra Urlaub genommen haben. Otte: „Da muss schon die Gewerkeabstimmung genau passen.“

Die problematische Personallage führte zu einem engen Austausch zwischen der Richert-Geschäftsleitung und der Handwerkskammer. Ziel: Die Ausbildung von eigenem Nachwuchs aufgrund einer handwerksrechtlich belastbaren Ausbildungsordnung. „Wir bemühen uns intensiv gemeinsam mit der Richert-Gruppe Lösungen zu erarbeiten, die es dem Unternehmen ermöglicht, zum nächsten Ausbildungsjahr entsprechende Angebote an Schulabsolventen zu machen“, erklärt Kammerchef Sven Ruschhaupt anlässlich eines Betriebsbesuchs mit Experten*innen der Handwerkskammer. Hierbei wurde die Brisanz des Personalmangels deutlich thematisiert. Frank Beermann, Bereichsleiter Kalkulation und Projektplanung: „Wir kommen bei anstehenden Personalgesprächen noch nicht mal zum Thema Geld.“ Dabei geht es um zukunftssichere Jobs, denn der Markt als ein „Ausrüster der Energiewende“ boomt für die Experten im Fensterbau. Thomas Richert: „Ein modernes, der Gebäudestruktur angepasstes Richert-Fenster spart die Energie von 22 Litern fossilem Brennstoff im Jahr, bei 70.000 Fenstereinheiten ergibt das auf die Lebensdauer der Fenster über 120.000 Tonnen Einsparung von CO2.“

Diese Treibhausgase würde das Unternehmen gerne auch selbst einsparen, stößt aber auf ungeahnte Schwierigkeiten. „Wir planen, eine halbe Mio. Euro in die energetische Sanierung unserer Produktionsstätten zu investieren, aber wenn es um die Unterstützung seitens der Kommune oder des Energieversorgers geht, wird es problematisch“, umschreibt der Firmenchef zunächst diplomatisch die derzeitige Situation und benennt dann deutlich die Probleme: Die Infrastruktur vor Ort und die zuständigen Stellen seien auf die Energiewende nicht vorbereitet. „Nicht nur wir, sondern auch viele andere Firmen im angrenzenden Industrie- und Gewerbegebiet wollen die Energiewende umsetzen, doch es fehlt die passende Infrastruktur.“ Auch der gesamte Energieumbau scheitere an Bürokratie, verwirrender Zuständigkeiten und fehlemden Verständnis für die Belange mittelständischer Unternehmen. Richert: „Wir werden in unserer wirtschaftlichen Dynamik gebremst!“ Beispiel: vier Mio. Euro investiert das Unternehmen zur Zeit in neue Maschinen, aber die benötigte Mittelspannung wird vom Versorgungsunternehmen nicht bereitgestellt. „Wir müssen hierfür zunächst einen förmlichen Antrag auf die Zuteilung eines Mitarbeiters stellen, ohne Aussicht auf kurzfristige Lösung des Problems“, erklärt Richert kopfschüttelnd. Empfehlung der Gemeinde: Der Bau eines eigenen Trafo-Systems – auf eigene Rechnung von rund 100.000 Euro. „Wir managen auch das, aber solche unvorhergesehenen Investitionen mit entsprechenden bürokratischen Hürden bremsen schlichtweg unseren dynamischen Entwicklungsprozess“, analysiert der Firmenchef.

Sein Fazit: Von der Politik schön gewollt, von den Verwaltungsinstanzen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene schlecht umgesetzt. Antragsstau bei den Förderprogrammen, monatelange Bearbeitungszeit, immense Bürokratie, fehlende Zuständigkeiten und hohe eigene Investitionen. „Anstatt zu helfen, werden uns immer neue Steine in den Weg gelegt, dabei zeigen doch gerade die aktuellen Flut-Katastrophen, dass wir einen wichtigen Teil zur Energiewende und damit zur Klimarettung beitragen können“, fasst es der Chef der Richert-Gruppe zusammen, einem der „Ausrüster der Energiewende“.

Die Richert-Gruppe

Die Richert Unternehmensgruppe mit Sitz im Osnabrücker Land besteht aus der Richert-Gruppe GmbH, der Richert Produktions- und Dienstleistungs GmbH und der Richert Immobilien- und Verwaltungsgesellschaft mbH. Seit mehreren Generationen ist Familie Richert Allein-Gesellschafter der Unternehmensgruppe. Das Fensterbau-Unternehmen besitzt mehr als 70 Jahre Erfahrung und verfügt mit 200 qualifizierten Mitarbeitern, mit eigener Fertigung, Logistik und Montage über weitreichende Ressourcen. Das Unternehmen entstand aus einem kleinen Handwerksbetrieb und hat bis heute rund 3,5 Millionen Fenstereinheiten produziert und bundesweit montiert.

Infos: richert-gruppe.com