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Meisterprämie im Handwerk

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Handwerk: Förderung Schritt in richtige Richtung

Niedersachsen zahlt mehr als 10,6 Millionen Euro Meisterprämie

In Niedersachsen wird rückwirkend seit 1. September 2017 die bestandene Meisterprüfung mit einer Meisterprämie in Höhe von 4000 Euro gefördert. Gerade erst wurde das Programm über 2019 hinaus verlängert. Doch wie wurde die Förderung angenommen – und wie stehen die Meisterinnen und Meister im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen Bundesländern da?

Für Michael Kiesewetter, Vorstandsvorsitzender der niedersächsischen Förderbank NBank, ist die Meisterprämie schon heute ein Erfolg. Bis Jahresende sind in der Region Weser-Ems fast 1000 der 2195 Anträge bewilligt worden, 195 von ihnen entfielen dabei auf Meisterinnen und Meister aus Stadt und Landkreis Osnabrück. In den ersten Monaten dieses Jahres ist diese Zahl noch einmal deutlich gestiegen. Demnach wurden bis Anfang April nach Auswertung der NBank insgesamt mehr als 2650 Fälle bewilligt und gut 10,6 Millionen Euro ausgezahlt, teilt das Wirtschaftsministerium auf Anfrage mit. Mit 2242 Antragstellern war die überwiegende Zahl der Antragsteller männlich.

Zwölf Bundesländer zahlen Prämie

Werden Meisterinnen und Meister in Niedersachsen für ihren Abschluss besser „belohnt“ als ihre Kolleginnen und Kollegen bundesweit? Eine Auswertung der Jobsuchmaschine Adzuna, die die Meisterprämien aus den Bundesländern miteinander verglichen hat, zeigt: Ja, lediglich Bremen zahlt ebenfalls eine Meisterprämie in Höhe von 4000 Euro. In allen anderen Bundesländern, die eine Prämie zahlen, ist bei 1500 Euro maximal Schluss.
Immerhin: Zwölf Bundesländer bieten eine Prämie für das Bestehen der Meisterprüfung an, darunter Bayern (1500 Euro Meisterbonus), Bremen (4000 Euro Aufstiegsfortbildungs-Prämie), Hamburg (1000 Euro Meisterprämie), Mecklenburg-Vorpommern (1000 Euro Meister-Extra) und Sachsen (1000 Euro Meisterbonus). In Sachsen-Anhalt soll bis Ende des Jahres eine Meisterprämie in Höhe von 1500 Euro eingeführt werden. In Thüringen erhalten immerhin noch die Jahrgangsbesten eines jeden Gewerks 1000 Euro Prämie. Im Nachbarland Nordrhein-Westfalen, in Schleswig-Holstein, Berlin und Baden-Württemberg hingegen gehen Meister leer aus.

Gründung: Berlin an der Spitze

Die Meisterprämie ist jedoch nur ein Instrument zur Förderung. Auch ein Blick auf die Unterstützung bei Gründungen lohnt sich. Denn hier bietet Berlin finanziell am meisten: Für die Selbstständigkeit mit einem eigenen Betrieb können Meisterinnen und Meister bis zu 15 000 Euro Gründungsprämie beantragen. Dabei werden 8000 Euro als Startkapital gezahlt, nach drei Jahren kommen zusätzlich 5000 Euro für die Einstellung eines weiteren Mitarbeiters oder Azubis hinzu. Sofern es sich dabei um eine Frau handelt, erhöht sich der Betrag sogar noch einmal um 2000 Euro.
Im benachbarten Brandenburg ist die Prämie ebenfalls zweigeteilt: 8700 Euro gibt es zum Start und 3300 Euro für die Einstellung eines zusätzlichen Mitarbeiters. In Nordrhein-Westfalen liegt die Gründungsprämie laut Analyse bei immerhin 7500 Euro. In Niedersachsen gibt es hier keine besondere Förderung, nur insgesamt fünf Bundesländer unterstützen die Selbstständigkeit von Meistern.

Ruschhaupt: Meisterprämie ist großer Erfolg

Dennoch: Für Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, ist die Vergabe der Meisterprämie in Niedersachsen ein großer Erfolg und „ein wichtiger Schritt der Landesregierung, dem Ziel der Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung, ergänzt durch berufliche Qualifikation, und akademischer Ausbildung näher zu kommen. Geschafft ist es aber bei Weitem noch nicht“, sagt er. Gemeinsame Aufgabe der Wirtschaftskammern und der Landesregierung sei nicht nur die gleichwertige Ausstattung der Bildungssysteme in finanzieller, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht. „Die Verlängerung der Meisterprämie ist da leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Für Kammerpräsident Reiner Möhle ist die Meisterprämie eine Form der Wertschätzung für die Leistung der Meister sowie ein Anreiz für junge Menschen, sich überhaupt auf den Weg einer Meisterausbildung zu begeben. Denn seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich laut Karl-Wilhelm Steinmann, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen, die Zahl der Meisterabschlüsse halbiert. „Dies ist eine Entwicklung, die das Handwerk besonders hart trifft und einen besonderen politischen Handlungsbedarf für diesen Wirtschaftsbereich erfordert“, betont er.

Für Möhle liegen die Vorteile eines Meisters klar auf der Hand:

„Das Handwerk bietet mit seiner Fortbildung vielen jungen Menschen die Chance auf einen sozialen Aufstieg – auch außerhalb des akademischen Werdegangs.“

Reiner Möhle

Seit rund zehn Jahren zeigt die Tendenz der Meisterabschlüsse im Kammerbezirk Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim nach oben. Dass sie 2018 nach einem Rekord im Jahr zuvor rückläufig waren, hat für Hauptgeschäftsführer Ruschhaupt einen einfachen Grund: turnusgemäß führe die zweijährige Meisterausbildung in Teilzeit zu einem Rückgang der Zahlen.

Meisterclub mit 350 Mitgliedern

Also kein Grund zur Sorge. Auch der Meisterclub, den die Kammer im vergangenen Jahr eingeführt hat, sei gut angelaufen. „Aktuell hat der Meisterclub 350 Mitglieder aus 26 Gewerken. Das Durchschnittsalter liegt bei 33 Jahren, und der Frauenanteil beträgt 9 Prozent. Wir werden natürlich an diesen Werten zwecks Optimierung weiter arbeiten“, so Ruschhaupt.

Auf dem Weg zur Gleichwertigkeit von Studium und Berufsausbildung sieht Ruschhaupt die Landesregierung jedoch weiterhin in der Pflicht.

„Viele gute Aktionen, Projekte und Bündnisse sind in Niedersachsen schon gemeinsam auf den Weg gebracht, um die berufliche, duale Ausbildung in den Fokus zu stellen. Letztlich steht und fällt es aber immer mit der Bereitstellung von Finanzmitteln.“

Sven Ruschhaupt

Hier hat die Handwerkskammer auch konkrete Erwartungen: „Wir erwarten von der Landesregierung eine Mittelerhöhung im Bereich der Förderung der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung in handwerklichen Bildungszentren (ÜLU).“ Die ÜLU sei ursprünglich eine Drittelfinanzierung aus Bundesmitteln, Landesmitteln über Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) und der Betriebe gewesen. „Mittlerweile muss sie jedoch überwiegend von den Betrieben finanziert werden, insbesondere in den Bauberufen“, kritisiert Ruschhaupt. „Außerdem sollte die Landesregierung weiterhin mit der Bundesregierung daran arbeiten, bundesweit eine kostenfreie Meisterausbildung und ein kostenfreies Azubi-Ticket umzusetzen.“

Nina Kallmeier: Handwerk: Förderung Schritt in richtige Richtung, NOZ, 09.05.2019