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Fachkräftebündnis effektiv

Partner aus Stadt und Landkreis Osnabrück werben über 1 Mio. EUR an Fördergeldern ein. Im Fokus steht Nachwuchsgewinnung für duale Ausbildung.

Betriebe, Firmen und Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen leiden unter dem enormen Fachkräftemangel. Handwerk, Pflege, Logistik – überall wird der Ruf nach gut ausgebildetem Fachpersonal sowie geeigneten Kandidaten für die duale Berufsausbildung immer lauter. Jetzt haben die Partner des regionalen Fachkräftebündnisses Osnabrück eine Zwischenbilanz ihrer Aktivitäten gezogen. Ihr Credo: Es ist richtig was passiert.

Beispiel „Ausbildungsbotschafter“: Seit dem Start des gemeinsamen Projektes von IHK und Handwerkskammer im März 2019 konnten rd. 150 Ausbildungsbotschafter*innen für eine ehrenamtliche Mitarbeit im Projekt gewonnen werden. 90 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen sowie Handwerk stellten bislang ihre Auszubildenden für das Projekt frei. In über 120 Schuleinsätzen berichteten die Auszubildenden fachkompetent und lebensecht von ihrem persönlichen Weg in die Ausbildung, ihrem Ausbildungsalltag, ihrem Unternehmen und den Karrieremöglichkeiten mit einer abgeschlossenen dualen Ausbildung. Etwa 1.000 Schüler*innen sind bis jetzt von dem Projekt erreicht worden. „Wir gehen davon aus, dass wir durch diese starken Aktivitäten das Interesse an einer dualen Ausbildung intensivieren konnten“, erklärten die stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK und HWK, Eckhard Lammers und Peter Beckmann übereinstimmend. Wie viel mehr Bewerber gelockt werden konnten sei nicht in absoluten Zahlen messbar, aber das Ergebnis sei „Corona bereinigt“ auf jeden Fall positiv. Trotz fehlender Berufsmessen und stark eingeschränkten Kontaktebenen zwischen Firmen und Schülern seien die Ausbildungszahlen viel weniger stark eingebrochen, als zunächst befürchtet. Beispiel „Finden und Binden – Nachwuchsförderung in der Pflege“: Die Förderung des Projekts soll bis Mitte 2022 verlängert werden und steht unter der Federführung vom GewiNet Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft. „Wir werden den potentiellen Berufsnachwuchs auch über einen extra entwickelten Instagram-Kanal ansprechen, wobei hierfür bereits Auszubildende aus fünf Pflegeeinrichtungen als Protagonisten geschult wurden“, erklärt Projektleiterin Christin Schleiner. Die Azubis posten ab 2021 anhand eines Redaktionsplans aus ihrem Ausbildungsalltag. Zusätzlich wurden bereits prägnante Kurzfilme mit einer lockeren Ansprache gedreht, die für den Pflegeberuf begeistern sollen.

Beispiel „Ausbildung Dual+ in der Logistikbranche“: Hierbei wurden von dem Osnabrücker Logistiknetzwerk KNI e.V., das hierfür finanziell durch Sponsorengelder seiner Mitglieder unterstützt wurde, Konzepte entwickelt. So sind „Zukunftsreisen“ für Schüler*innen durchgeführt worden, bei denen Bustouren zu verschiedenen Logistikunternehmen organisiert wurden. „Wir holen die Interessierten ab, bereiten Infos und Veranstaltung jugendaffin vor und sorgen so für einen möglichst barrierefreien Umgang mit dem Ziel in ungezwungener Atmosphäre über die Aktivitäten des jeweiligen Unternehmens zu informieren“, erklärt Birgit Sparenberg vom Kompetenznetz Individuallogistik (KNI), die das Projekt betreut. Auch sind „Azubi Future Camps“ und „Blended- Learning-Module“ zu Logistikthemen sowie die firmenübergreifenden Kooperationen zur Umsetzung der betriebsübergreifenden Ausbildung entwickelt worden. Sparenberg: „Die Vielfalt an Möglichkeiten, welche die Logistikberufe bieten, sowie zusätzliche Fremdsprachenkurse, Austausch mit internationalen Partnern, ein weltoffenes Betriebsklima – davon wissen die Schüler*innen oftmals gar nichts, weshalb wir die Projektförderung als effektive Wirtschaftsförderung interpretieren“.

Lars Hellmers Vorstand der MaßArbeit des Landkreises und Mitinitiator, freut sich, dass insgesamt neun Projekte mit einem Volumen von 2 Mio. EUR innerhalb des regionalen Fachkräftebündnisses angeschoben worden sind. Die Auswahl der Projekte orientiert sich demnach an den darin enthaltenen Handlungsfeldern und Zielen, um nachhaltig zur Sicherung und Verbesserung der Fachkräftebasis in Landkreis und Stadt Osnabrück beizutragen. Von den bislang bewilligten Vorhaben in der Region Osnabrück konzentrieren sich die meisten auf die Nachwuchsgewinnung im Übergang Schule-Beruf. Hellmers: „Aufgrund der Kontaktbeschränkungen konnte beispielsweise kaum ein Berufswahlorientierungsangebot in gewohnter Form durchgeführt werden, daher wird sich das Problem fehlender Ausbildungsbewerber*innen sehr wahrscheinlich gerade für kleine und mittlere Betriebe im Jahr 2021 nochmals verstärkt zeigen. Hellmers Fazit: „Es ist im Sinne der Unternehmen und Betriebe sowie der Fachkräfte von morgen richtig was passiert“. 

Das regionale Fachkräftebündnis besteht aus den Wirtschaftskammern, den Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Osnabrück, dem Industriellen Arbeitgeberverband, der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, den Gewerkschaften und den Arbeitsverwaltungen von Stadt sowie von Landkreis Osnabrück mit der MaßArbeit.