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Coronavirus: Auswirkungen auf Ausbildung und Prüfung

Auch auf die Ausbildungs- und Prüfungssituation wirkt sich die Corona-Krise aus. Wir haben eine Übersicht über die wichtigsten Fragen zusammengestellt

Während der Corona-Krise ändert sich bei den Ausbildungsverträgen und den dort formulierten Rechten und Pflichten zwar zunächst einmal nichts. Aber viele Unternehmerinnen und Unternehmer werden sich die Frage stellen, welche Regelungen in Folge der Corona-Krise auch die Ausbildung und die Prüfungen betreffen. Und wie sie unter schwierigen Bedingungen die Ausbildung und Prüfungsvorbereitung weiterhin sinnvoll gestalten können.

Hinweis

Wenn die Berufsschule Lernformate anbietet, die auch ohne Anwesenheit in der Schule möglich sind, muss der Betrieb dem Auszubildenden die Zeit einräumen, sich mit Hilfe dieser Formate den Lerninhalt anzueignen. Der zeitliche Umfang hierfür ist so zu bemessen, dass er dem Freistellungszeitraum für die Teilnahme am Berufsschulunterricht nach § 15 Absatz 1 Nr. 1 BBiG entspricht.

Hier die wichtigsten Hinweise im Überblick

Thema Ausbildung

Für Auszubildende ist in der Regel keine Kurzarbeit vorgesehen; sie haben daher auch keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld: Ihre Ausbildung ist daher weiter fortzusetzen und die Vergütung vollständig weiterzuzahlen. Bei einem kompletten Stillstand im Unternehmen – sei es wegen umfassender Kurzarbeit „Null“ oder wegen behördlich angeordneter Schließung des Betriebs – ist Ausbildung jedoch nicht mehr realisierbar. Werden dann Auszubildende nach Haus geschickt, bleibt der Arbeitgeber zunächst weiterhin verpflichtet, die Ausbildungsvergütung zu 100 Prozent über einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen weiterzuzahlen. Nach Ablauf dieser Zeit sollte man jedoch bei der Arbeitsagentur auch für Auszubildende Kurzarbeitergeld beantragen. Hier hat die BA signalisiert, in der konkreten Situation ggf. angepasst zu entscheiden. Je nach Ausbildungsvertrag oder dem entsprechend geltenden Tarifvertrag im Unternehmen können diese Fristen jedoch weitaus länger sein.

Zudem müssen Arbeitgeber sich kreativ bemühen, die Ausbildung wie geplant fortzuführen. Jedoch sind die veränderten Verhältnisse zu berücksichtigen. Möglich sind u.a. Umstellung des Lehrplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte oder die Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen. Daher sind auch Ausbilder nur in Ausnahmefällen in Kurzarbeit zu schicken, um die Ausbildung zu sichern.

Für den Fall, dass die anstehenden Gesellen- oder Abschlussprüfungen nicht wie üblich vor den Sommerferien abgelegt werden können (dazu siehe unten), enden die laufenden Ausbildungsverträge dennoch regulär entsprechend dem ursprünglich vorgesehenen Vertragszeitraum. Eine automatische Verlängerung der Verträge darüber hinaus gibt es nicht.  

Die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim wird aber in dieser Krisensituation ausnahmsweise einem gemeinsam geäußerten Willen beider Vertragsparteien „auf Verlängerung bis zum nächsten Prüfungstermin“ zustimmen. Zu begründen ist das damit, dass Ausbildungszeit wegen der Pandemie ausgefallen oder nur in Teilen abgeleistet werden konnte und Mängel in der Ausbildung nicht auszuschließen sind. Gegebenenfalls können so auch noch ausstehende ÜLU-Lehrgänge nachgeholt werden. Das würde dazu führen, dass die Ausbildungsverträge auf einen entsprechenden Antrag hin z.B. bis Oktober 2020 verlängert würden, wenn die Gesellen- bzw. Abschlussprüfung erst dann durchgeführt werden können.

Thema Abschluss- und Gesellenprüfung

Derzeit sind zunächst bis zum 19. April 2020 sämtliche Prüfungen – im Ausbildungs- wie im Fortbildungsbereich – eingestellt. Auch die überbetrieblichen Lehrgänge finden nicht statt.

Zulassungsverfahren

Die Teilnahme an Lehrgängen der überbetrieblichen Unterweisung ist verpflichtend im Rahmen der Ausbildung, aber keine Voraussetzung zur Zulassung zu Abschluss- oder Gesellenprüfungen. Soweit durch das zeitweise Schließen von Bildungseinrichtungen keine Lehrgänge durchgeführt werden und Azubis nicht alle Lehrgänge absolvieren können, ist dies im Hinblick auf anstehende Zulassungsverfahren unschädlich. Soweit vorgesehene Ausbildungsinhalte nicht oder nicht in der gewünschten Tiefe vermittelt werden können, ist auch dies für die Abnahme der Prüfungen rechtlich unbedenklich.

Durchführen von Abschluss- und Gesellenprüfungen im Sommer 2020

Derzeit ist noch nicht abzusehen, ob Prüfungen im Sommer 2020 durchgeführt werden können. Als Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim halten wir derzeit noch alle Prüfungstermine aufrecht, die nach dem 19. April 2020 angesetzt sind. Auch den Innungen haben wir empfohlen, zunächst regelkonform zu planen, zu organisieren und einzuladen. Sollten die Umstände eine Prüfung zum vorgesehenen Termin nicht zulassen, wird der Termin weiter nach hinten verschoben.

Durchführen von Zwischenprüfungen

Die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim hat den Innungen empfohlen, Zwischenprüfungen auf einen späteren Zeitpunkt, ggf. in den Herbst 2020, zu verschieben. Weitergehend steht es den Innungen frei, die Zwischenprüfungen aus Zeit- und Ressourcengründen gänzlich abzusagen. Sie und Ihre Auszubildenden werden darüber informiert.

Für die späteren Zulassungsverfahren zu den Abschluss- oder Gesellenprüfungen wird bei den Innungen entsprechend vermerkt, dass keine Zwischenprüfungen abgelegt wurden und vom Nachweis dieser Zulassungsvoraussetzung abgesehen wird.

Durchführen von Prüfungen Teil I der gestreckten Gesellenprüfung

Die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim hat den Innungen empfohlen, die Prüfungen zum Teil I der gestreckten Gesellenprüfung auf einen späteren Zeitpunkt, ggf. in den Herbst 2020, zu verschieben. Diese Prüfungen sind aber auf jeden Fall durchzuführen. Die Ausbildungsbetriebe werden entsprechend von den Innungen informiert.