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Blitzumfrage zu Corona

Kommt das Handwerk in der Region mit einem blauen Auge davon?

Die Antworten aus der ersten Blitzumfrage des Handwerks waren alarmierend: 70 Prozent der Betriebe beschäftigten sich mit dem Thema Kurzarbeit, fast die Hälfte rechnete damit, dass das Geld knapp wird. Eine aktuell Umfrage zeichnet ein etwas positiveres Bild.

Peter Beckmann, seit Kurzem stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, war am Dienstag deutlich positiver gestimmt. „Die Ergebnisse unserer aktuellen Blitzumfrage zur Auswirkung der Corona-Krise sind deutlich besser ausgefallen als erwartet.“

Mehr als ein Drittel von Umsatzrückgängen nicht betroffen

Das zeigt sich unter anderem in der Frage, ob bislang Umsatzeinbußen hingenommen werden mussten. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) hat diese Frage mit Nein beantwortet. Noch im März gingen lediglich drei Prozent der Betriebe davon aus, dass sich die Corona-Krise nicht im Umsatz widerspiegeln wird. Dagegen erwarteten 77 Prozent erhebliche oder geringe Umsatzrückgänge. Verzeichnet werden diese aktuell bei „nur“ 57 Prozent der befragten Betriebe.

Das sind insbesondere die Gewerke, die sogenannte personenbezogene Dienstleistungen anbieten wie Friseure. Aber auch Augenoptiker, Hörgeräteakustiker oder Betriebe, die dem Bereich Nahrung zugeordnet werden. Insgesamt also vor allem all jene, die im konsumorientierten Handwerk anzutreffen sind. Weniger betroffen ist das Bauhauptgewerbe oder das Ausbaugewerbe.

Stornierungen und Rückstellung von Investitionen größte Sorge

Für Beckmann besonders positiv: Jeder fünfte Handwerksbetrieb verzeichnet keine Auswirkungen durch die Corona-Pandemie. Wenn doch, dann sind es vor allem Auftragsstornierungen und die Rückstellung von geplanten Investitionen, die den Handwerkern Sorge machen. „Ein Liquiditätsengpass wird nur von 22 Prozent der Betriebe genannt. Befürchtet hatten ihn im März mehr als doppelt so viele“, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer. Das stimme ihn deutlich positiver als gedacht.

Dass das Thema Liquidität nicht ganz oben auf der Tagesordnung steht, könnte für Beckmann auch an den Soforthilfen liegen, die Bund und Land zur Eindämmung der Corona-Pandemie aufgelegt hatten. Der Umfrage zufolge haben 28 Prozent der Betriebe die Hilfen in Anspruch genommen. Mehr als die Hälfte waren mit dem Abwicklungsverfahren in Bezug auf den eigenen Betrieb auch gut oder sehr gut zufrieden. Wer Hilfen in Anspruch genommen hat, kam vor allem aus dem Bereich Gesundheit, Nahrung oder den personenbezogenen Dienstleistungen – also jene Branchen, die vor allem von der Schließung von Betrieben betroffen waren oder sind. 8 Prozent haben einen Liquiditätskredit in Anspruch genommen.

Wenig Entlassungen

Und das Thema Kurzarbeit? Letztlich von dem Instrument Gebrauch gemacht haben 34 Prozent der befragten Betriebe. „Damit liegen wir etwa im Durchschnitt“, so Beckmann. Für ihn wiederum positiv: Bei fast der Hälfte (47 Prozent) sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Allerdings kam es in 6 Prozent der Betrieben bereits zu betriebsbedingten Kündigungen.

Bei den Ergebnissen handelt es sich erst einmal um ein Zwischenfazit, betont Beckmann. „Die entscheidenden Zahlen wird unsere Konjunkturumfrage im Herbst geben.“ Dann werde sich zeigen, wie tief die Einschläge durch die Corona-Pandemie wirklich waren.

Gefragt nach notwendigen öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen sind es nicht die Liquiditätshilfen oder Konjunkturprogramme, die die Handwerksbetriebe nennen, sondern vor allem der Bürokratieabbau und die Senkung von Steuern und Abgaben. „Das hat mich überrascht“, gibt Beckmann zu. „Allerdings war hier der Frust der Betriebe auch vor Corona schon groß. Und die Krise hat gezeigt, dass es auch mit weniger Bürokratie geht.“

Ausbildungsjahr beginnt im Herbst

Im Herbst beginnt auch das neue Ausbildungsjahr. Einschnitte aufgrund der Pandemie verzeichnet das Handwerk in der Zahl der bislang geschlossenen Ausbildungsverträge nicht. Hier liege man auf Vorjahresniveau. Laut Umfrage planen auch 69 Prozent der Betriebe, mehr oder genauso viele Azubis wie im Vorjahr einzustellen. „Allerdings sind auch bei derzeit 25 Prozent keine Angaben möglich. Diese Betriebe dürfen wir als Ausbildungsbetriebe nicht verlieren“, so Beckmann.

Präsentation: Zwischenbilanz zur Corona Krise

Nina Kallmeier: Kommt das Handwerk in der Region mit einem blauen Auge davon?, NOZ, 10.06.2020